Literaturempfehlung

Liebe Leserin, lieber Leser,

als Ihr Krimischreiber habe ich mir viel Mühe mit der Hintergrundrecherche gegeben. So ganz nebenbei haben Sie im Krimi Anklänge der Geschichte Südtirols wahrgenommen. Sie haben auch einiges über die Kultur des Kochens erfahren. Hier verrate ich Ihnen, welches Recherchematerial ich benutzt habe. Das ist für diejenigen unter Ihnen gedacht, die jetzt so richtig neugierig geworden sind. Allerdings ist meine Auswahl subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich empfehle Ihnen auch nur die Werke, die mich besonders beeindruckt haben. Es gibt viel mehr und sicher auch Gutes. Aber auch ich kenne nicht alles.

Geschichte Südtirols

Von den vielen mir bekannten Büchern zur Geschichte Südtirols hat mich besonders beeindruckt „I bin a Südtiroler“ von Georg Grote (I BIN A SÜDTIROLER – Kollektive Identität zwischen Nation und Region im 20. Jahrhundert, 2009 Verlagsanstalt Athesia AG, Bozen).Georg Grote stammt vom Niederrhein und lehrt westeuropäische Geschichte am University College in Dublin. In seinem Buch fand ich eine verständliche Darstellung von Südtirols Geschichte seit 1918 bis zur Gegenwart im europäischem Haus. Er geht den Fragen nach, „Was ist Nationalismus?“ und zeichnet den Weg Südtirols von der Teilregion zum Regionalstaat. Dabei wird deutlich, wie sich das Bewusstsein der Südtiroler im Laufe fast eines Jahrhunderts geändert hat.

Zum Spezialthema „Option“

Ich habe viel über die „Option“ in Geschichtsbüchern gelesen. Was das aber für die Menschen bedeutet haben muss und was das mit ihnen gemacht hat, habe ich erst begriffen, als ich das Buch von Claus Gatterer, „Schöne Welt, Böse Leut“ gelesen habe. Ich hatte einen Ausgabe von1969 (1. Auflage Molden-Taschenbuch-Verlag) zur Hand. Es gibt aber Neuauflagen, die in jeder Buchhandlung zu haben sind. Der Autor beschreibt seine Kindheit in Südtirol. Dort wurde er im Jahr 1924 in Sexten geboren. Die Handlung des Buches beginnt im Jahr 1929 und endet irgendwann im Jahr 1940.

 

Handelt es sich bei der Erzählung von Claus Gatterer um einen autobiograhischen, aber in Teilen wahrscheinlich auch  fiktionalen Text, so ist das Buch des Historikers Dr. Leo Hillebrand, „Es waren schmale Jahre“ eine intelligent zusammengestellte Reportage aus Berichten von 36 Zeitzeugen aus dem Dorf „Prissian“, die den Zeitraum „etwa vom Ersten Weltkrieg bis zum großen wirtschaftlichen und sozialen Umbruch der 60er Jahre“ abbilden.  Kein wissenschaftliches Werk, aber eine Zusammenstellung aus so genannten qualitativen Interviews, die den Leser die Wahrheit spüren lassen. „So muss es gewesen sein“, kann man sagen, auch wenn nicht alle Details nachprüfbar stimmen müssen. In der Tradition des Dorfbuches geschrieben, ist dieses Buch allerdings wegen seiner thematischen Gliederung und schonenden Interpretation des Erzählten nicht bloß eine Chronik, sondern eher eine historisches Darstellung der Südtiroler Jahre 1910 bis 1966 am Beispiel der Dorfgemeinde Prissian. Für mich war es jedenfalls eine wertvolle Recherchequelle. Und so ist der polnische Traktor Urus, den der Leser auf Seite 12 des Buches „Es waren schmale Jahre“, abgebildet findet, in den Krimi mit eingebaut worden. Allerdings sei hier auch verraten, dass ich die technischen Details im Krimi alle frei erfunden habe. Ich habe nämlich wirklich überhaupt keine Ahnung, wie so ein Traktor funktioniert. Die Freiheit, technische Details zu erfinden, nehme ich mir dann doch. Nicht alles ist fein säuberlich recherchiert. Dann würde ich ja nie fertig und Sie hätten nichts zum lesen!

 

Vom selben Autor gibt es auch eine Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Prissian, „Im Dienste der Gemeinschaft“ 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Prissian. Ganz anders gestaltet. Mehr eine Chronologie als „Es waren schmale Jahre“. Aber hier und da findet der Leser Anhaltspunkte für das Gemeinschaftsgefühl einer Dorfgemeinschaft.

 

Beide Bücher des Historikers Dr. Leo Hillebrand sind im Buchhandel nicht oder nur schwer zu bekommen. Das erste, „Es waren schmale Jahre – Alltagsgeschichtliche Erinnerungen aus der Gemeinde Tisens“ ist von der Gemeinde Tisens herausgegeben worden. Ich habe es im Fremdenverkehrsbüro erstanden. Das andere, „Im Dienst der Gemeinschaft – 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Prissian“, ist von der  Freiwilligen Feuerwehr Prissian herausgegeben worden.