Sonne, Honig, Küchenkunst
Mein Schreiberling sagt: "In Südtirol habe ich noch nie schlecht gegessen." Das bringt es auf den Punkt. Der hat auch Erfahrung. Seit vielen Jahren. Und mich schickt er daher an kulinarische Orte, die alle eine Empfehlung wert sind. Nun müssen Sie aber nicht denken, dass es nicht auch woanders genauso lecker ist, wie in den beschriebenen kulinarischen Orten. Nehmen sie die Empfehlungen als Stellvertreter für eine insgesamt gut aufgestellte Gastronomie in Südtirol. Aber dennoch gibt es ein paar Tipps grundsätzlicher Art.
Je höher sie klettern und ums so spärlicher die gastronomische Auswahl, um so kleiner ist die Speisekarte. Aber das, was sie bekommen, ist dann auch wirklich toll, lecker, urtümlich, ungewöhnlich, klassisch, ursprünglich. Einen echten Speck bekommen sie nur noch da, wo der Bauer ihn selber macht. Ob sie davon etwas ab bekommen ist nicht gesagt. Aber es gibt gute Metzgereien, die sich mit dem Speck viel Mühe geben und ähnlich gute Qualität bieten. Aber selbst der "Industriespeck" ist gut. Aber von anderer Qualität als der, den es oben auf den Höfen gibt.
Gleiches gilt für die Käse. Da hat Südtirol zu den Spitzenqualitäten aufgeschlossen. Bergkäse, der nicht nur so heißt, sondern in der Bergluft auch gereift ist, schmeckt einzigartig. Im Schnalstal und im Pfossental kennt mein Schreiberling Käseerzeuger, die wirklich tolle Qualitäten produzieren. Ich bin sicher, dass es auch noch andere Produzenten gibt. Die hat mein Schreiberling nur noch nicht entdeckt.
Gourmettempel: Ja, die gibt es auch in Südtirol. Und was für welche! Da geht das Kochhandwerk in das Kochkunsthandwerk über. Jeder Teller ein Gemälde, eine Symphonie aus Farbe, Geruch und Geschmack. Übersichtlich angeordnet, damit der Gast die Chance hat, gleich das nächste Kunstwerk zu würdigen. Ich war mit Elisabeth im Kallmünz in Meran. In Band 3. Auf Empfehlung von Charlotta. Die kennt sich aus und ich bin ihr Lehrling. Das ist so ein Gourmettempel. Ich würde da nicht hingehen, wenn mir nach eine schnellen Sättigung zumute ist. Aber mit ein bisschen mehr Zeit im Rücken kann ich es genießen, wenn der perfekte Service die Kunstwerke der Küche auf meinen Tisch zaubert. Eins nach dem anderen.
Küche zum sattwerden, Spaß haben und lustig sein: Überall! Und für jeden Geldbeutel. Da ist Südtirol wirklich Spitze. In jedem Ort - und ist er noch so klein - geben sich die Wirte richtig viel Mühe, ihren Gästen Gutes zu bieten. Aber dort ist eine Entwicklung zu verzeichnen, die zwar verständlich ist, aber etwas von dem Flair nimmt, dass Südtirol vor 25 Jahre ausgezeichnet hat. Die Produkte, die in der Küche Verwendung finden, kommen heute nicht mehr aus dem eigenen Garten. Das ist ein Bild! Das Stichwort heißt "Halbfertigprodukte". Ohne kommt heute kaum noch einer aus. Wie sagte Opa Hoppenstädt in einem berühmten Loriot Sketch: "Früher war mehr Lametta!". Übertragen auf die heutige Küche heißt das, "Früher war mehr Frische und Handarbeit." Das ist aber keine Kritik an der Südtiroler Küche oder den Südtiroler Köchen. Das Niveau ist nach wie vor beachtlich. Und wer es "wie früher" mag, muss die Berge rauf. Da kommt das Ei von dem Huhn, dass ihnen zwischen den Füßen herumläuft, während sie essen.
Tipp: Wer so essen will, "wie früher", dem emphiehlt mein Schreiberling Rumänien: Aus dem Garten durch die Küche in den Magen des Gastes. Da ist es heute noch so wie früher in Südtirol. Aber das nur nebenbei.
Ich habe in Band 3 ganz schön gut und ganz schön viel gegessen. Und in Band 4 geht das so weiter. Wenn Sie auf meinen kulinarischen Spuren wandern wollen, dann wird Ihnen der kulinarische Rundgang helfen. Aber Sie wissen ja, dass alle von mir besuchten Orte stellvertretend für die schier unerschöpfliche Vielfalt stehen, die sie in Südtirol finden. Mein Schreiberling zeigt Ihnen hier und da auch Plätze, in die er mich (noch) nicht geschickt hat. Dazu kann ich also nichts sagen. Aber ich glaube, dass er nichts empfehlen würde, von dem er nicht überzeugt ist.
In diesem Sinne: Lassen Sie es sich schmecken!